Sonderpädagogik und inklusive Bildung

Die schulische Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) kann auf Wunsch der Eltern bzw. Erziehungsberechtigten entweder in einer Sonderschule oder in integrativer Form in der Regelschule erfolgen. Der SPF wird entweder auf Antrag der Eltern oder von Amts wegen durch die Bildungsdirektion festgestellt.

Sonderpädagogischer Förderbedarf

Gemäß § 8 Abs. 1 Schulpflichtgesetz 1985 liegt dann ein sonderpädagogischer Förderbedarf vor, wenn eine Schülerin bzw. ein Schüler infolge einer nicht nur vorübergehenden körperlichen, geistigen oder psychischen Funktionsbeeinträchtigung oder Beeinträchtigung der Sinnesfunktionen dem Unterricht in der Volksschule, Neuen Mittelschule oder Polytechnischen Schule ohne sonderpädagogische Förderung nicht zu folgen vermag und nicht gemäß § 15 Schulpflichtgesetz 1985 vom Schulbesuch befreit ist.

Sonderschule oder Integrativer Unterricht

Die schulische Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf kann auf Wunsch der Eltern bzw. Erziehungsberechtigten entweder in einer Sonderschule oder in integrativer Form in der Regelschule erfolgen. Die Sonderschule umfasst zehn Sparten mit jeweils neun Schulstufen, wobei die letzte Schulstufe als Berufsvorbereitungsjahr dient. Mit Zustimmung der Schulbehörde und mit Einwilligung des Schulerhalters ist der Sonderschulbesuch maximal zwölf Schuljahre lang möglich.

Auch integrativer Unterricht orientiert sich an  Qualitätsstandards (Rundschreiben Nr. 17/2015) und eröffnet behinderten und nicht behinderten Kindern und Jugendlichen vielfältige Möglichkeiten gemeinsamer Lernerfahrungen. Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf können integrativ in der Volksschule, Neuen Mittelschule, der Unterstufe der allgemein bildenden höheren Schule, der Polytechnischen Schule und der einjährigen Haushaltungsschule unterrichtet werden. Für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf besteht auch an allgemeinen Schulen – mit Zustimmung des Schulerhalters und der zuständigen Schulbehörde – die Möglichkeit, ein freiwilliges 11. und 12. Schuljahr zu absolvieren.

Die adäquate sonderpädagogische Förderung der Schülerinnen und Schüler erfolgt durch die Anwendung spezifischer Lehrpläne. Sowohl in Sonderschulen als auch im integrativen Unterricht sind sonder- bzw. inklusionspädagogisch ausgebildete Lehrkräfte tätig. Ziel des individualisierten Unterrichts ist es, den Schülerinnen und Schülern durch eine grundlegende Allgemeinbildung, eine Bewältigung der weiteren beruflichen Ausbildung oder den Besuch weiterführender Schulen zu ermöglichen.

Neuerungen in den Bildungsdirektionen

Seit 1.9.2018 werden die sonderpädagogischen Fördermaßnahmen in allen Bundesländern nicht mehr durch Zentren für Inklusiv- und Sonderpädagogik bereitgestellt und koordiniert, sondern durch die Bildungsdirektion. Auch andere Fördermaßnahmen – wie etwa die Deutschförderung, die Begabungs- und Begabtenförderung oder Maßnahmen zur Verbesserung der Bedarfsorientierung sowie der Chancen- und Geschlechtergerechtigkeit – werden zukünftig von der Bildungsdirektion bzw. ihren Außenstellen verwaltet.  

SPF Bescheid

Seit 1. Jänner 2019 obliegt den Bildungsdirektionen auch die Leitung des Verfahrens auf Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs. Die Feststellung eines SPF (Rundschreiben Nr. 7/2019) wird in der Regel durch die Erziehungsberechtigten beantragt. In besonderen Fällen kann das Verfahren auch von Amts wegen eingeleitet werden. Besteht etwa für die Schulen der Grund zur Annahme, dass bei einer Schülerin bzw. einem Schüler eine Behinderung vorliegt und ein SPF festzustellen ist, ist über die Schulleitung umgehend Kontakt mit der Bildungsdirektion im Wege der Außenstelle (= pädagogische Abteilung der Bildungsregion) aufzunehmen.

Grundsätzlich gilt es, vor der Feststellung eines SPF alle am Schulstandort möglichen Fördermaßnahmen auszuschöpfen – von der Vorschulstufe bis zur Wiederholung der Schulstufe, der inneren Differenzierung bis hin zum Einsatz von mobilen Beratungslehrerinnen und -lehrern oder auch der Schulpsychologie. Dies gilt insbesondere bei Schülerinnen und Schülern, die in den Bereichen „Lernen“ und „Verhalten“ Förderung benötigen. Bei schwerst-mehrfach behinderten Kindern können Eltern den Antrag auch schon vor Schuleintritt bei der Behörde einbringen. Die Anträge auf Feststellung eines SPF können jederzeit gestellt werden, im Sinne einer rechtzeitigen Planung von Fördermaßnahmen an den jeweiligen Schulstandorten empfiehlt es sich jedoch grundsätzlich, die Anträge bis spätestens 1. März des jeweiligen Schuljahres zu stellen.

Inklusive Bildung im internationalen Kontext

Die  UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen wurde von Österreich im Jahre 2008 ratifiziert und beschäftigt sich im Artikel 24 mit dem Bereich Bildung.

Der Nationale Aktionsplan Behinderung 2012-2020 formuliert auch Zielsetzungen, die die Entwicklung eines inklusiven Schulsystems vorsehen.

Das Bildungsministerium hat deshalb auch im Jahr 2015 eine Richtlinie erlassen, welche die pädagogischen, rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen für die Entwicklung inklusiver Modellregionen festlegt. In den Bundesländern Tirol, Kärnten und der Steiermark wurden seither inklusive Modelle  entwickelt – zu diesen liegen bereits auch Forschungsergebnisse vor.

Geändert am: 14.06.2019

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