Schulsozialarbeit in Österreich 

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Was ist Schulsozialarbeit, was kann und leistet sie? 

„10 Leitsätze“:

  • Schulsozialarbeit ist eine kontinuierliche Hilfestellung für Schüler/innen.
  • Schulsozialarbeiter/innen sind für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene da und begleiteten sie im Prozess des Erwachsenwerdens.
  • Schulsozialarbeit ist offen, freiwillig, vertraulich.
  • Schulsozialarbeit ermutigt und begleitet Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in einem wertschätzenden Rahmen bei der Suche nach eigenen Wegen und Antworten.
  • Schulsozialarbeit bezieht die Lebenswelt und das Umfeld von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsene ein.
  • Schulsozialarbeit arbeitet mit Lehrer/innen, Erziehungsberechtigten und anderen schulnahen Personen zusammen.
  • Schulsozialarbeit arbeitet direkt in der Schule, darüber hinaus auch im außerschulischen Bereich.
  • Schulsozialarbeit arbeitet vernetzt mit schulinternen und externen Einrichtungen.
  • Schulsozialarbeit setzt verschiedene Methoden der Sozialen Arbeit ein.
  • Schulsozialarbeit passt das Konzept je nach Schulstandort und den sozialräumlichen Gegebenheiten an.

(Ergebnis eines österreichweiten Workshops im April 2012)


Entwicklungen, Vorhaben und Perspektiven zur Schulsozialarbeit

Im österreichischen Schulsystem gibt es mehrere Berufsgruppen und Funktionen, die Schulen bei der Bewältigung psychologischer, gesundheitlicher und sozialer Herausforderungen sowie bei Fragen der Schulentwicklung unterstützen.

 Eine dieser Professionen ist die Schulsozialarbeit.

 Wenn auch primär die Zuständigkeit bei der Kinder- und Jugendhilfe und damit den Ländern liegt, engagiert sich das BMBWF in dieser Thematik seit einigen Jahren im Sinne der Gesamtkoordination schulischer Unterstützungssysteme, der Ermöglichung eines bundesweiten Austausches und einer österreichweiten Entwicklung eines Professionsverständnisses sowie von einheitlichen Qualitätskriterien


Entwicklung und Pilotprojekte

Die Verringerung von Schulabsentismus und Senkung der DropOut-Quoten an den Schulen: Darauf fokussierte die Entwicklungspartnerschaft des Bildungsministeriums (Abteilung Schulpsychologie-Bildungsberatung) mit dem Europäischen Sozialfonds in den Jahren 2010 bis 2017. Mit Kofinanzierung der jeweiligen Bundesländer wurden über freie Trägervereine und in enger Kooperation mit der Kinder- und Jugendhilfe einige Pilotprojekte an Pflichtschulen initiiert; beginnend in Kärnten, Niederösterreich und Salzburg (2010-2012); erweitert durch Steiermark und Tirol (2012/13) und nochmals ergänzt durch Oberösterreich und Wien (2013/14, mit Standorten an einigen Handelsschulen sowie einer Zentrallehranstalt). Im Burgenland wurde aufgrund anderer Förderrichtlinien ein Handelsschulprojekt außerhalb des ESF pilotiert bzw. durch den Bund finanziert.  

Ziele waren unter anderem die Entwicklung bundesweiter Modelle der Schulsozialarbeit, fachlicher Austausch (bundesweite Fachtagungen 2012, 2014 und 2017), Abstimmung mit anderen psychosozialen Unterstützungssystemen an Schulen, Basisvernetzungen der PraktikerInnen, wissenschaftliche Enqueten, Entwicklung eines Leitfadens zur Implementierung von Schulsozialarbeit (Ludwig Boltzmann Institut Health Promotion Research), Schärfung des Professionsbildes von Schulsozialarbeit, Entwicklung eines bundeseinheitlichen Qualitätsrahmens und Methodensammlungen (Sozialraumarbeit, Schulabsentismus / Schulverweigerung, Soziale Arbeit mit MigrantInnen und Zugewanderten).

Im Rahmen der ESF-Periode 2014-2020 sollte die Entwicklungspartnerschaft nochmals prolongiert werden (angedachter Ausbau auf bis zu 48 Schulen), mit speziellem Schwerpunkt auf Schulstandorte mit hohem Anteil sozial benachteiligter SchülerInnen.

 Die Budgetierung erfolgte bereits 2010-2017 ausschließlich durch Bund und Länder; aufgrund einer zunehmend sichtbar gewordenen Inkompatibilität mit den stark auf Qualifizierungsmaßnahmen ausgerichteten ESF-Förderrichtlinien wurde das Projekt aus dem operativen Programm des ESF herausgenommen und mit Schuljahresende 2016/2017 vorzeitig beendet. Das BMBWF unterstützt derzeit jedoch weiter die Schulstandorte an den Handelsschulen und ermöglicht über Vernetzungstreffen den fachlichen Austausch der PraktikerInnen mit VertreterInnen der Landesregierungen und der Schulbehörden in den Bundesländern (Schulpsychologie-Bildungsberatung, Schulaufsicht).


Schulsozialarbeit als Qualitätskriterium

„Ohne Schulsozialarbeit ginge bei uns gar nichts mehr!“ – diese und ähnliche Aussagen von SchuldirektorInnen vernimmt man praktisch unisono, sobald auf den Einsatz und das Wirken einer Schulsozialarbeiterin / eines Schulsozialarbeiters am eigenen Schulstandort angesprochen.

 SozialarbeiterInnen kommen innerhalb und außerhalb der Schule zum Einsatz; im Idealfall sind sie zu fixen Beratungszeiten an der Schule anwesend, präsentieren sich bei Elternabenden, sind bei Sprechtagen und Konferenzen Teil des Teams an der Schule. Schulsozialarbeit umfasst den gesamten Sozialraum, in dem sich die SchülerInnen bewegen, daher können Beratungen auch an Orten stattfinden, wo Jugendliche sich gerne aufhalten – etwa in Cafés oder Parks.

 SchulsozialarbeiterInnen begleiten die Jugendlichen zu Hilfsangeboten, Beratungen oder Ämtern. Die Kommunikation erfolgt auf Augenhöhe mit den SchülerInnen – und häufig über deren Medien. „Social Media“ sind nicht mehr wegzudenken, wenn es um den Austausch von Informationen geht, und so kommunizieren SchulsozialarbeiterInnen via Facebooknachrichten, Instagram, eMail, Whatsapp u.ä. mit den Jugendlichen.

Durch Präsenz an der Schule und damit „Sichtbarkeit“ entsteht Akzeptanz – sowohl bei den SchülerInnen als auch bei den Lehrkräften; viel Vernetzungs- und Beziehungsarbeit ist also nötig, um zu einer vertrauten (und gleichzeitig verschwiegenen) Partnerin  oder einem vertrauten Partner an der Schule zu werden. 

Die bundesweite Entwicklungspartnerschaft hat auf diesem Gebiet ein Stück weit dazu beigetragen, dass Schulsozialarbeit heute ein anderes „Standing“ hat als noch etwa 2010. Aus diversen Rückmeldungen wurde immer wieder ersichtlich, dass die österreichweite Vernetzung sehr positiv gesehen und die Koordination als wertvoll erachtet wird („Eine WinWin-Situation für alle Träger“, formulierte es eine Projektleiterin). 

Durch Vernetzungstreffen wird ein Gesamtbild der Trägerlandschaft erkennbar, andere Positionen, Bildungsregionen, Positionierungen werden ersichtlich. Auch die Wahrnehmung von außen hat sich entwickelt und verändert, Schulsozialarbeit wird nicht mehr ausschließlich zwecks „Feuerwehrfunktion“ geholt, sondern wirkt präventiv: „Wir haben lange daran gearbeitet, dass Schulsozialarbeit nicht nur für sogenannte Problemkinder da ist“ (Zitat einer anderen Projektleiterin).


Projekt "Unterstützung der Chancengleichheit an Schulen durch SchulsozialarbeiterInnen"

Im Rahmen des von der Bundesregierung beschlossenen „Integrationstopfs“ hat das Bundesministerium mit Dezember 2016 weiters das Projekt „Schulsozialarbeit“ gestartet. Dieses sieht vor, dass bundesweit bis zu 85 zusätzliche SchulsozialarbeiterInnen an Volksschulen und Neuen Mittelschulen mit einem hohen Anteil an sozial benachteiligten SchülerInnen zum Einsatz kommen. 

Diese zusätzlichen, beim Österreichischen Zentrum für psychologische Gesundheitsförderung im Schulbereich (ÖZPGS) angestellten, psychosozialen Fachkräfte kommen im Rahmen der Schulpsychologie-Bildungsberatung der jeweiligen Schulbehörde direkt an entsprechend ausgewählten Schulstandorten zum Einsatz.

Die Umsetzung in den Bundesländern und an den einzelnen Schulstandorten erfolgt nach einheitlichem Zielbild und Aufgabenrahmen, jedoch angepasst an die jeweiligen Erfordernisse und die bestehenden Unterstützungsstrukturen. Als gemeinsames bundesweites Schwerpunktthema im Jahr 2017 wurde „Stärkung der Resilienz von SchülerInnen“ vereinbart.


Perspektive

 Das Bildungsreformgesetz wurde im Sommer 2017 vom Parlament beschlossen und tritt nun schrittweise über die nächsten Jahre hinweg in Kraft Mit den Bildungsdirektionen wurde eine gemeinsame Bund-Länder-Behörde geschaffen. Sie ist künftig die zentrale Bildungsbehörde in jedem Bundesland.

Die bisherigen Landesschulräte bzw. der Stadtschulrat für Wien sowie die Bildungsbehörden in den Ländern werden von den Bildungsdirektionen abgelöst. Diese Bildungsdirektionen sind so konstruiert, dass sie künftig die gesamte Bildungslaufbahn vom Kindergarten bis zur Matura unter einem Dach verwalten können.

Die Aufgaben der Bildungsdirektionen beinhalten die Aufsicht des gesamten Schulrechts, die Vollziehung des Dienstrechts und des Personalvertretungsrechts der Bundes- und LandeslehrerInnen.

In der Behördenstruktur (Bildungsdirektionen) soll es zukünftig eine strukturelle Anbindung des biopsychosozialen Unterstützungspersonales und damit auch der Schulsozialarbeit geben.

Konkret heißt es in § 18 Abs. 7 Bildungsdirektioneneinrichtungsgesetz (BD-EG), dass im Präsidialbereich „für Zwecke der pädagogisch- psychologischen Beratung sowie der Bereitstellung und Koordination der psychosozialen Unterstützung in den Schulen ein schulpsychologischer Dienst einzurichten“ ist. 



Kontakt

Dr. Gerhard Krötzl
BMBWF, Abt. I/8
T+43 1 53120-2580
gerhard.kroetzl@bmbwf.gv.at

Mag.a Karin Waska
BMBWF, Abt. I/8
T +43 1 53120-2583
karin.waska@bmbwf.gv.at

Mag.a (FH) Sevim Aksakalli, MA
BMBWF, Abt. I/8
T +43 1 53120-2933
sevim.aksakalli@bmbwf.gv.at

Geändert am: 06.04.2018

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