PISA 2006 - Programme for International Student Assessment

BM Schmied: "Wir brauchen mehr Chancengerechtigkeit und Leistungsförderung an unseren Schulen"

"Spitzenleistungen brauchen eine breite Basis"

„Aus der PISA-Studie ziehen wir wichtige Schlüsse für die notwendigen Reformen in unserem Bildungssystem. Ich nehme die Studie ernst. Sie zeigt, dass Länder, die Reformschritte setzen, davon profitieren. Bildungsreformen zahlen sich für die Gesellschaft und jeden einzelnen Jugendlichen aus. Länder wie Finnland, aber auch Polen zeigen, dass sich der Einsatz lohnt. PISA gibt uns die Möglichkeit, uns mit den Besten zu vergleichen und daraus faktenbasiert Schritte abzuleiten. Das spornt an“, so Bildungsministerin Claudia Schmied bei der Präsentation der Studienergebnisse. „Es ist positiv, dass die Beteiligung der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Schülerinnen und Schüler in Österreich überdurchschnittlich hoch ist“, so Schmied.

Bemerkenswerte Ergebnisse im Überblick:

  • Die Leseleistung der österreichischen Jugendlichen liegt wieder unter dem OECD-Schnitt. Vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund haben niedrige Lesekompetenzwerte. MigrantInnen der 1.Generation lesen besser als MigrantInnen der 2. Generation.

„Ich ziehe klare Schlüsse aus den Ergebnissen: Der größte Reformbedarf besteht in der zentralen Grundkompetenz des Lesens. Gerade die Ergebnisse von Kindern mit Migrationshintergrund der zweiten Generation zeigen den Handlungsbedarf. Wie schon die PIRLS-Studie zeigt PISA : Lesekompetenz ist Grundvoraussetzung für den Bildungserfolg für alle Kinder, vor allem aber ist Sprach- und Lesekompetenz Schlüssel für gelungene Integration. Das verpflichtende Kindergartenjahr mit spezieller Sprachförderung für alle Kinder mit Sprachdefiziten ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Auch der Schwerpunkt in der Fort- und Weiterbildung der Volksschullehrer im Bereich der Leseförderung ist eine wichtige Maßnahme. Sprache ist der Schlüssel zum Leseerfolg“, so Schmied.

  • Beinahe jeder dritte Jugendliche ist Risikoschüler in zumindest einem der drei Testbereiche (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften).

„Spitzenleistungen brauchen eine breite Basis. Wir können es uns weder gesellschaftlich noch ökonomisch leisten, dass jeder dritte Jugendliche in Österreich zumindest in einem der drei Testgebiete zu einer Risikogruppe gehört. Wir dürfen kein Kind zurücklassen. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel in der Lern-, Lehr- und Prüfkultur. Die Implementierung der Bildungsstandards durch das neu geschaffene BIFIE (Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens) ab Jänner 2008 ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Wir müssen die Vermittlung von Kompetenzen als zentrale Aufgabe des Bildungssystems begreifen. Nicht das Auswendiglernen darf im Mittelpunkt stehen. Das Verstehen von Zusammenhängen und Ursachen muss das Ziel sein“, so Schmied.

  • Familiäre Herkunft bestimmt weiterhin den Bildungserfolg. SchülerInnen von Eltern mit Pflichtschulabschluss erzielen im Schnitt um 100 Punkte weniger, als Kinder von Eltern mit akademischer Ausbildung.

„Besonders zu denken muss uns die geringe soziale Durchlässigkeit unseres Bildungssystems geben. Es ist gesellschaftspolitisch und ökonomisch problematisch, dass die Bildungschancen unserer Kinder nicht nur von ihrer Leistung sondern auch in beträchtlichem Ausmaß von ihrer Herkunft abhängen. Der sozioökonomische Status der Eltern bestimmt leider noch immer das Bildungsniveau. Die Reformschritte der Bundesregierung zielen genau in diese Richtung: Wir brauchen mehr Chancengerechtigkeit und Leistungsförderung in unserem Bildungssystem. Deshalb intensivieren wir die Frühförderung, ermöglichen durch kleinere Klassen eine bessere Förderung der individuellen Begabungen und Talente jedes einzelnen Kindes, schaffen mehr und bessere ganztägige Schulangebote für Förderung auch am Nachmittag und ermöglichen durch die Modellversuche Neue Mittelschule angewandte Bildungsinnovation, aus der wir in den kommenden Jahren laufend Erkenntnisse für das Regelschulwesen gewinnen werden“, betonte Schmied.

  • In der diesjährigen Hauptdomäne Naturwissenschaften liegt Österreich über dem OECD-Schnitt. Allerdings weisen Österreichs Jugendliche eine sehr geringe Motivation für naturwissenschaftliche Berufe auf.

„Die engagierte Leistung der Lehrerinnen und Lehrer sowie in den vergangenen Jahren gesetzte Maßnahmen wie etwa das IMST-Programm (Innovationen machen Schulen Top), das seit 2005 auf den Pflichtschulbereich ausgedehnt wurde und mittlerweile über ein Drittel aller Fachlehrer erreicht, haben uns im Bereich der Naturwissenschaften auf den richtigen Weg gebracht, auch wenn natürlich noch weiter Verbesserungsmöglichkeiten bestehen. Diese Entwicklung ist umso positiver zu bewerten, als die Schwächen in der Leseleistung auch Auswirkungen auf die anderen Testgebiete haben. Ein wichtiger Schritt ist ein neuer Zugang zum Thema Naturwissenschaften. Das interdisziplinäre Thema ‚Science’ soll auch in der Schule gesamtheitlich betrachtet werden. Ein Flächenfach ‚Science’ soll in den pädagogischen Konzepten der Neuen Mittelschule einen neuen Zugang ermöglichen. Mehr Optimismus braucht das Land“ betonte Schmied abschließend.

Geändert am: 06.04.2018

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