Interkulturalität – Leben in der Migrationsgesellschaft

In einer globalisierten Welt sind interkulturelle Kompetenzen unerlässlich. Das erfordert von allen Beteiligten die Fähigkeit, 

  • sich auf Neues einlassen zu können,
  • eigene Standpunkte, Sichtweisen und Vorurteile zu hinterfragen,
  • sich in die Lage anderer Menschen(gruppen) zu versetzen,
  • rassistische und eurozentrische Vorurteile zu durchschauen,
  • soziales Handeln, Solidarität mit benachteiligten Gruppen und Zivilcourage zu entwickeln,
  • Konflikte konstruktiv auszutragen und gleichzeitig zu erkennen, dass Missver­ständnisse oder Konflikte nicht immer eine kulturelle Ursache haben müssen.  

Häufig wird interkulturelles Lernen als Beitrag zu einem harmonischen Zusammenleben zwischen einheimischen und zugewanderten Menschen verstanden. Dabei wird implizit von einer (fiktiven) Mehrheitskultur und von (ebenso fiktiven) Migranten- oder Minderheitskulturen ausgegangen, die als gegensätzliche – und unveränderliche – Pole aufgefasst werden. In dieser Logik wird Schülerinnen und Schülern aus Migrationsverhältnissen oft automatisch eine gewisse „Herkunftskultur“ unterstellt, auch wenn ihnen diese in Wirklichkeit im Wesentlichen fremd ist. Dieser Ansatz fördert die Tendenz, Kinder bzw. Jugendliche mit einem sogenannten Migrationshintergrund als VertreterInnen einer bestimmten Kultur und nicht als eigenständige Individuen wahrzu­nehmen und zu behandeln und ihr vermeintliches Anderssein – durchaus in positiver Absicht – zu betonen.  

Wenn man davon ausgeht, dass alle Denkweisen und Handlungen von Individuen kulturell, d. h. durch die Gesellschaft, in der sie leben (bzw. früher gelebt haben), durch ihre Sozialisation, ihre Lebensbedingungen und durch ihre Erfahrungen geprägt sind, dann handelt es sich beim interkulturellen Lernen um eine „doppelte“ Querschnittsmaterie, die in alle anderen Unterrichtsprinzipien und Bildungsanliegen hineinspielt.  

Daraus folgt, dass bei der Behandlung aller Unterrichtsprinzipien immer auch mitgedacht werden muss, dass die SchülerInnen auf Grund ihrer Lebens- und Familiengeschichten unterschiedliche Vorerfahrungen und familiäre (also kulturelle) Muster mitbringen.  

Das hat auch mit Migration zu tun, geht aber weit darüber hinaus. Der exemplarische Hinweis auf einige Unterrichtsprinzipien mag genügen, das zu illustrieren.  

  • Gesundheitsbildung: der Umgang mit dem eigenen Körper, Ess- und Trinkgewohnheiten, Suchtverhalten, Schönheitsideale etc.
  • Umweltbildung: der (bewusste oder nachlässige) Umgang mit Ressourcen, Müll etc.
  • VerbraucherInnenbildung: der Umgang mit Geld, mit Konsum, Konsumverzicht, mit Werbung etc.
  • Leseerziehung: der Zugang zu und der Umgang mit Literatur, Medien etc. 

Ein ernsthaftes Aufgreifen all dieser Themen im Unterricht unter Einbeziehung der Lebenswelten der Schülerinnen und Schüler, die individuell sehr unterschiedlich sein können, kommt am Faktor Kultur nicht vorbei. Oder etwas plakativ formuliert: Dass Menschen essen, trinken, schlafen …, ist Natur, aber wie sie essen trinken, schlafen …, das ist Kultur. Dass Menschen glücklich, traurig, wütend … sind, ist menschliche Natur, aber wie sie diese Gefühle zeigen, ist kulturell bedingt.  

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass im schulischen Alltag vor allem zwei Aspekte relevant sind, für die in erster Linie eine entsprechende Sensibilisierung der Lehr­kräfte Voraus­setzung ist: 

  • ein gelassener, produktiver, professioneller Umgang mit der sprachlichen Heterogenität in den Klassen,
  • die Vermeidung von Etikettierungen und Fremdzuschreibungen (auch durch die Lehrpersonen), die – meist ungewollt – zu Ausgrenzungen führen können, z. B. wenn in Österreich geborene oder längst eingebürgerte SchülerInnen als „Ausländerkinder“ bezeichnet werden.  

Kompetenzen

Kompetenzenlandkarte Interkulturalität – Leben in der Migrationsgesellschaft

Prototypische Beispiele

Prototypische Beispiele Interkulturalität

Lehrplanbezüge

Interkulturelles Lernen ist in den Lehrplänen der allgemein bildenden Schulen im „Allgemeinen Bildungsziel“ oder in den „Allgemeinen didaktischen Grundsätzen“ verankert. Darüber hinaus finden sich zahlreiche interkulturelle Bezüge in den Fachlehrplänen aller allgemein bildenden Schulen und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen.

Lehrplanbestimmungen (S. 49 ff. im PDF)

Unterstützungsstruktur

Ansprechpartnerin im BMB

Dr.in Daniela Gronold
Abteilung für Diversitäts- und Sprachenpolitik, Minderheitenschulwesen und Schulpartnerschaft (I/4)
daniela.gronold@bmb.gv.at

Geändert am: 06.04.2018

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Kontakt

  • Dr.in Daniela Gronold
    Abteilung für Diversitäts- und Sprachenpolitik, Minderheitenschulwesen und Schulpartnerschaft (I/4)
  • daniela.gronold@bmb.gv.at